40. Champagnerprobe 11./12. Aug. 2026

Bei der bereits 40. Ausgabe der beliebten Champagner Probe des Freundschaftsbundes Kiedrich-Hautvillers ging es um einen nicht ganz unumstrittene Person, die Ihre Spuren in Kiedrich und Eltville hinterlassen hat. Lutz Wunderlich, der wieder zusammen mit Claus-Peter Blum durch den kurzweiligen Abend geführt hat, ist durch die Tätigkeit seiner Frau Angelika im Kirchenvorstand und bei seinen verschiedenen Recherchen rund um den Champagner immer wieder auf diesen Namen gestoßen. Dies bewog ihn einen eigene Probe mit verschiedenen „Beifang“- Champagnern zu gestalten, die zwar keinen Bezug zu der Person haben, aber den neutralen Rahmen schaffen um deren Geschichte genauer zu beleuchten. Es sei gesagt, dass es hier nicht um eine Aufarbeitung, oder um eine Diffamierung der Person handelt. Lutz Wunderlich hat subjektiv seine gesammelten Eindrücke dem interessierten Publikum vermittelt und bei der Nennung seiner Quellen, deren Aussagekraft aus seiner Sicht dargestellt.

Es ging um Otto Klaebisch.

Otto Klaebisch (1894–1975) wurde in Frankreich als Sohn eines deutschen Cognac-Unternehmers geboren und wuchs zweisprachig auf. Während des Ersten Weltkriegs wurde er als Deutscher in Frankreich interniert. Nach dem Krieg begann er eine erfolgreiche Karriere im Wein- und Spirituosenhandel.
1934 zog er nach Eltville und wurde Mitinhaber der Sektkellerei Matheus Müller (MM). Aufgrund seiner hervorragenden Kenntnisse des französischen Weinbaus und seiner perfekten Sprachkenntnissen, wurde er im Zweiten Weltkrieg, nachdem er der NSDAP beigetreten war, zum Beauftragten des Naziregimes für die Versorgung des Reiches mit Champagner zum Niedrigpreisen ernannt.
Bei aller gezeigten Härte gelang es ihm, auch das wirtschaftliche Überleben der Champagnerproduzenten zu gewährleisten, was ihm nach dem Krieg Fürsprache von französischer Seite einbrachte.
Er führte MM nach dem Krieg erfolgreich weiter und gründete mit seinem Bruder eine eigene Handelsfirma. Er engagierte sich zudem gesellschaftlich, kirchlich und kulturell im Rheingau.
Otto Klaebisch war Kirchenvorsteher der evangelischen Kirchengemeinde Eltville-Erbach-Kiedrich (heute Triangelis). Dadurch war er direkt in das kirchliche Leben Kiedrichs eingebunden.
Sein bedeutendster Bezug zu Kiedrich ist eine großzügige Spende. Bei der Einweihung der Gustav-Adolf-Kirche 1965 fehlte das Geld für die Glocken. Vom Krankenbett aus spendete Klaebisch die benötigten 12.000 DM. Dadurch konnten die drei Glocken angeschafft werden. Auf Wunsch Klaebischs wurde das Geläut der neuen evangelischen Kirche klanglich auf die Glocken der katholischen St.-Valentinus-Kirche in Kiedrich abgestimmt. Dies unterstreicht sein Interesse an einem harmonischen Miteinander der Konfessionen im Ort. Aus Dankbarkeit tragen die Glocken bis heute die Inschrift: „Für die Gustav-Adolf-Kirche gestiftet von Kirchenvorsteher Otto Klaebisch, Eltville.“ Damit ist sein Name dauerhaft mit der Kirchengeschichte Kiedrichs verbunden.
Für Kiedrich ist Otto Klaebisch weniger wegen seiner umstrittenen Rolle im Zweiten Weltkrieg von Bedeutung, sondern vor allem als Förderer des kirchlichen Lebens. Seine Spende ermöglichte 1965 die Glocken der Gustav-Adolf-Kirche, deren Klang bewusst mit den Glocken der Kiedricher St.-Valentinus-Kirche abgestimmt wurde. Dadurch hinterließ er bis heute ein sicht- und hörbares Erbe in Kiedrich.

Der Streifzug durch das Leben von Otto Klaebisch wurde mit folgenden Champagner begleitet:

  1. Champagne Monmarthe, 38 Rue Victor Hugo, 51500 Ludes, Montagne de Reims, www.champagne-monmarthe.com
    Coup de Coeur Extra Brut
    50% Pinot Noir, 50% Pinot Meunier
  2. Champagne BeeLEM, 9, Rue du Loup, 51420 Cernay-lès-Reims, Montagne de Reims, www.champagne-beelem.fr
    Grand Cru Brut Millésime 2017
    100% Chardonnay
  3. Champagne Monmarthe, 38 Rue Victor Hugo, 51500 Ludes, Montagne de Reims, www.champagne-monmarthe.com
    Rose de Ludes
    35% Pinot Noir, 35% Pinot Meunier, 20% Chardonnay, 10% Vin Rouge
  4. Champagne Godart & Fils, 5 ter Avenue du Mont Félix, 51530 Moussy, Vallée de la Marne, www.champagne-godart-fils.com
    Extra Cuvée Brut “Athanase”
    Je 1/3 Pinot Noir, Pinot Meunier, Chardonnay
  5. Champagne Monmarthe, 38 Rue Victor Hugo, 51500 Ludes, Montagne de Reims, www.champagne-monmarthe.com
    Secret de Famille
    40% Pinot Noir, 40% Pinot Meunier, 20% Chardonnay

Link zur: Übersicht der Probe 40

Text: Peter Brand, Lutz Wunderlich (Zusammenfassung: Peter Brand), Bilder: Claus-Peter Blum


39. Champagnerprobe am 12./13. Mai 2026

In der 39.Champagnerprobe am 12. und 13.05.2026 konnten die Zuhörer auf den Spuren der Witwe Clicquot wandeln.

Barbe Nicole Clicquot Ponsardin erwarb 1819 das Schloss Boursault und lebte zuerst mit Tochter und Enkelkindern im alten Herrenhaus der Schlossanlage, Le Manoir. 1843 beschloss sie auf dem Gelände ein neues Gebäude zu errichten nach dem Vorbild des Schlosses Chambord an der Loire. Erbaut durch den Architekten Jean-Jacques Arveuf-Fransquin entstand ein repräsentatives Schloss im Neorenaissance-Stil. Dieses bot ihrer Enkelin, die mittlerweile durch Heirat in die Oberschicht aufgestiegen war, ein angemessenes Anwesen für die zahlreichen Gäste des Hauses, die zu Jagden, großen Abendessen und verschiedenen Festlichkeiten kamen.

Anfang des 20. Jahrhunderts verkauften die Nachfahren der Witwe Clicquot das Schloss und schließlich erwarb ein Diamantenhändler aus Paris, der aus armenischem Adel stammte, das Anwesen. Achod Fringhian und seine Gattin M. Siranouche ließen das Anwesen in Rekordzeit wieder herrichten und es kam wieder zur Blüte.

Nachdem in der Kriegszeit das Schloss als Militärkrankenhaus für Amerikaner gedient hatte, wurden nach dem Krieg wieder Reben auf dem Anwesen angepflanzt und dieser Weinanbau in die Appellation Champagne aufgenommen. Zwei Nachfahren von Achod Fringhian bewirtschaften heute die Flächen des Schlosses und stellen Champagner her. Es sind die beiden Champagnerhäuser: Champagne Le Gallais, geführt von Charlotte Le Gallais und Chateau de Boursault, geführt von Alex Fringhian.

Der Streifzug durch die Geschichte von Schloss Boursault wurde sehr passend begleitet von aus den beiden Champagnerhäusern stammenden Tropfen:

  1. Champagne Le Gallais,  2 Rue Maurice Gilbert, 51480 Boursault, www.champagnelegallais.com
    Cuvée du Cèdres
    35% Pinot Noir, 15% Chardonnay, 50% Pinot Meunier
  2. Champagne Le Gallais,  2 Rue Maurice Gilbert, 51480 Boursault, www.champagnelegallais.com
    Cuvée du Manoir
    35% Pinot Noir, 15% Chardonnay, 50% Pinot Meunier
  3. Champagne Le Gallais,  2 Rue Maurice Gilbert, 51480 Boursault, www.champagnelegallais.com
    Le Poète Rosé de Saignée
    50% Pinot Noir, 50% Pinot Meunier
  4. Champagne Château de Boursault, 2 Maurice Gilbert, 51480 Boursault, www.champagne-chateau-de-boursault.fr
    Prestige
    50% Pinot Noir, 50% Chardonnay
  5. Champagne Château de Boursault, 2 Maurice Gilbert, 51480 Boursault, www.champagne-chateau-de-boursault.fr
    Blanc de Noirs
    50% Pinot Noir, 50% Pinot Meunier

Link zur: Übersicht der Probe 39

Wieder einmal hat Lutz Wunderlich zusammen mit Claus-Peter Blum den Teilnehmern der Probe einen interessanten Abend bereitet. Wir freuen uns bereits jetzt uns auf die nächste gedankliche Exkursion in die Champagne.

Text: Angelika Wunderlich, Bilder: Claus-Peter Blum


38. Champagnerprobe am 03./04. Februar 2026

Als Folgeveranstaltung unserer Filmvorführung „Die Witwe Clicquot“ anlässlich des Deutsch-Französischen Tages, bereitete Lutz Wunderlich zusammen mit Claus-Peter Blum, die 38. Champagnerprobe rund um die berühmte Witwe vor. Hierzu präsentierten sie Champagner der berühmten Witwe, sowie Sekt von Georg Christian Kessler, dem langjährigen Mitarbeiter der Witwe und Gründer der ersten deutschen Sektkellerei.

Kurzweilig beschrieb Lutz Wunderlich die Leben der Protagonisten rund um die kredenzten Köstlichkeiten. Zu nennen sind vor allem die Witwe Clicquot und Georg Christian Kessler, deren Lebensgeschichten hier kurz zusammengefasst werden.

 

Barbe-Nicole Ponsardin, später bekannt als Veuve Clicquot, wuchs in einer großbürgerlichen Familie in Reims auf und wurde 1798 mit François Clicquot verheiratet, der den Weinexport des Familienunternehmens stark vorantrieb. Nach seinem frühen Tod 1805 übernahm sie trotz der erheblichen Einschränkungen für Frauen im Code Napoléon die Leitung der Firma – eine Möglichkeit, die nur Witwen offenstand. Unterstützt von ihrem brillanten Handelsagenten Louis Bohne kämpfte sie sich durch Kriegsjahre, Blockaden und  Marktverluste. Ihren entscheidenden Durchbruch erzielte sie 1814, als sie heimlich eine große Champagnerladung nach Russland senden ließ und damit den Markt dort eroberte.  Trotz Rückschlägen wie dem Tod Bohnes 1821 entwickelte sie das Unternehmen weiter und prägte es dauerhaft – unter anderem durch die Einführung des Rosé-Champagners.

 

Georg Christian Kessler (1787–1842) begann als Kaufmannslehrling, wurde 1807 Commis bei Veuve Clicquot in Reims und stieg dort schnell auf: 1810 Prokurist, 1815 Teilhaber. Durch Heirat in eine reiche Tuchfabrikantenfamilie gewann er Einfluss und Engagements im Bank‑ und Textilwesen. Mit Unterstützung der Witwe Clicquot investierte er in Deutschland, gründete eine Kammgarnspinnerei in Esslingen und experimentierte mit deutschem Schaumwein. Nach dem Tod seiner ersten Frau und wachsender Kritik der Witwe an seinen Investitionen kam es 1826 zum Bruch: Kessler übernahm die deutschen Betriebe, Clicquot seine Firmenanteile. Er heiratete erneut und gründete 1826 die erste deutsche Sektkellerei G.C. Kessler & Co.

Darüber hinaus beschrieb Lutz Wunderlich die oft überraschenden Verquickungen zu bekannten Namen und Personen der Champagne mit deutschen Wurzeln. Das überraschte nicht nur einmal das interessierte Publikum und regte zu Diskussionen und einer ausgelassenen Stimmung im Saal an.

Zur Verkostung kamen:

  1. Veuve Clicquot Extra Brut, Extra Old
    50% Pinot Noir, 30% Chardonnay, 20% Pinot Meunier
  2. Veuve Clicquot „La Grande Dame Rosé“
    90% Pinot Noir, 10% Chardonnay
  3. Kessler Hochgewächs Chardonnay Brut
    100% Chardonnay
  4. Kessler Grande Réserve „GEORGES“
    74% Chardonnay, 26% Pinot Noir
  5. Veuve Clicquot Carte Jaune Brut
    50-55% Pinot Noir, 28-33% Chardonnay, 15-20% Pinot Meunier

Champagne Veuve Clicquot Ponsardin,  12, rue du Temple, 51100 Reims www.veuve-clicquot.com

Kessler Sekt, Georg-Christian-von-Kessler-Platz12-16, 73728 Esslingen a. N. www.kessler-sekt.de

Zur Übersicht der 38. Probe: Champagnerprobe 38.

Text: Peter Brand, Bilder: Claus-Peter Blum